OdA Soziales Zürich

volles Engagement für Berufe im Sozialbereich

Die Organisation der Arbeitswelt Soziales Zürich ist der Branchenverband für Berufsbildung im Sozialbereich. Sie engagiert sich als Vertreterin der Praxis zusammen mit Bund und Kanton für eine qualitativ hochstehende Berufsbildung.

Liliane Ryser
Geschäftsführerin OdA Soziales Zürich

Wenn es in der Schweiz um Berufsbildung geht, sind unterschiedlichste Organisationen, Institutionen und staatliche Stellen involviert. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI definiert als Fachbehörde des Bundes die Strategien für die Berufsbildung. Als Amtsstelle ist das SBFI aber angewiesen auf die Inputs von Gesprächspartnern aus der Praxis. Die Organisationen der Arbeitswelt, Berufsverbände, Branchenorganisationen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen, Berufs- und Fachorganisationen usw. sind dafür verantwortlich, dass sich die Ausbildungen den immer neuen Anforderungen der Branchen anpassen. 

Umgekehrt delegiert das SBFI wichtige Kompetenzen an die OdA: Sie sind Trägerinnen der beruflichen Grundbildung (Berufslehren), der eidgenössischen Prüfungen und der Rahmenlehrpläne der höheren Fachschulen. Sie definieren die Bildungsinhalte, erstellen Prüfungsordnungen und organisieren überbetriebliche Kurse – und falls nötig ergreifen sie die Initiative, wenn sich im Markt ein Bedarf an neuen Berufsbildern abzeichnet.

Die OdA Soziales Zürich: «Wir bilden Sozialberufe»

Für die Verbindung zur Praxis im Sozialbereich ist im Kanton Zürich die OdA Soziales Zürich verantwortlich. Bei der Geschäftsleiterin Liliane Ryser laufen die Fäden zusammen: Sie steht im Kontakt mit anderen OdAs, mit Ausbildungsbetrieben und mit kantonalen und nationalen Gremien, sitzt in Kommissionen und unterrichtet BerufsbildnerInnen. 
Liliane Ryser ist studierte Psychologin und Psychotherapeutin, hat Forschungserfahrung und auch einen Master in General Management. Sie leitete verschiedene Institutionen und Verbände, bis sie vor vier Jahren die Geschäftsleitung der OdA Soziales Zürich übernahm. 
Wichtig ist es ihr, zusammen mit dem Vorstand, die Position der OdA Soziales Zürich zu stärken, das Profil der Organisation zu schärfen und die Aussenwahrnehmung zu verbessern. Denn nur so kann die OdA Soziales Zürich Einfluss nehmen, wenn es um eine hervorragende Berufsbildung geht, die wirksame Nachwuchswerbung und die Attraktivitätssteigerung der Ausbildungen. 

Etwas tun gegen den Fachkräftemangel

Nicht nur die Industrie und das Gesundheitswesen leiden unter dem Mangel an Fachkräften – auch der Sozialbereich rechnet für die Zukunft mit Personalengpässen. Obwohl FaBe im Kanton Zürich der zweitgrösste Ausbildungsberuf ist und die Zahl der Lernenden jedes Jahr steigt, kann der Bedarf an Fachpersonen längerfristig nicht gedeckt werden. Bis ins Jahr 2024 werden in den Arbeitsfeldern Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, Begleitung von Menschen mit Beeinträchtigungen und Betreuung von Menschen im Alter rund 45 000 bis 59 000 zusätzliche Fachpersonen benötigt. Dies zeigt eine Fachkräftestudie. Wichtig ist deshalb, dem Beruf mehr Öffentlichkeit zu verschaffen. Denn im Unterschied zu Handwerkern oder Berufen in Büro, Gastronomie oder Detailhandel sind die Betreuungsfachpersonen im Bewusstsein der breiten Bevölkerung nicht sehr präsent. 
Dabei hat der Beruf auch seine spektakulären Seiten. An der ersten Berufsmeisterschaft der FaBe – die FABEST 2017 findet am 18. November in fünf Regionen statt – werden die jungen Betreuungsprofis zeigen, was sie können, natürlich in publikumswirksamer Art und begleitet durch eine möglichst breite Berichterstattung in den Medien. 
Ein weitere paar Beispiele aus der Arbeit der OdA Soziales Zürich: Auf die letzte Berufsmesse hin hat sie einen neuen, spannenden Stand konzipiert, an dem interessierten Jugendlichen und Erwachsenen die Sozialberufe nähergebracht werden, vor allem die Berufe AssistentIn Gesundheit und Soziales (Attestausbildung) sowie Fachfrau/-mann Betreuung (EFZ-Ausbildung). 
Neu wird per 1.1.2018 der «3. Lernort» mit den überbetrieblichen Kursen direkt bei der OdA Soziales Zürich angesiedelt. Als nächstes Schwerpunktthema steht die Erarbeitung eines neuen Modells für die Berufsmaturität an. Die Idee ist eine vierjährige Berufsmittelschule: Sie dauert ein Jahr länger als die FaBe-Grundbildung; so stehen die Lernenden dem Betrieb mehr zur Verfügung als in einer dreijährigen BMS. Das vierte Schuljahr wird anschliessend berufsbegleitend absolviert. 
Obwohl viele einen «Brain Drain» befürchten, die zahlenmässige Schwächung der FaBe durch den Trend zu einem zusätzlichen Studium, ist es wichtig, dass nach dem EFZ-Abschluss Anschlussmöglichkeiten angeboten werden. Denn Karrierechancen im erlernten Berufsfeld tragen wesentlich zur Attraktivität des Berufs bei.





Drei Fragen an die Geschäftsleiterin der OdA Soziales Zürich

Im «Plan S» werden immer wieder Themen angesprochen, mit denen sich auch die OdA Soziales Zürich beschäftigt. Die Geschäftsleiterin gibt Antwort auf ein paar Fragen, die uns besonders interessieren. 

1. Haben Sozialberufe den Status, den sie verdienen?

Ein Gedankenexperiment: Würde man in der Schweiz einmal einen eintägigen «Sozialstreik» ausrufen, kämen einige Leute auf die Welt! Deshalb lautet die Antwort nein. Natürlich können die Kosten für Einzelfälle im Sozialbereich relativ hoch sein. Das verleitet die Medien dazu, diese aufzubauschen. Die meisten Aufgaben des Sozialbereichs scheinen zudem unspektakulär und darunter leidet auch das Prestige der sozialen Berufe. Es gehört deshalb zu unseren Aufgaben, hier durch Information und Präsenz Gegensteuer zu geben.

2. Eignen sich Sozialberufe besonders auch
für Quereinsteigende?

Die Leute, die aus anderen Berufen kommen, sind oft spannende und besonders engagierte Persönlichkeiten mit einem grossem Rucksack und breiter Erfahrung. Deshalb ist es auch wichtig, im Sozialbereich verschiedene Abschlussmöglichkeiten für Erwachsene anzubieten. Speziell im Betagtenbereich finden sich viele Quer- und Späteinsteigende. Leider fehlen uns Zahlen darüber, wie viele ausgebildete Fachpersonen nach der Familienphase als Wiedereinsteigende zurückkommen, aber auch wie gross die «Abspring-Tendenz» ist. Im Moment untersucht die Dachorganisation SavoirSocial diese Themen in einer grossen Laufbahnstudie.

3. Lohnt sich Selbstständigkeit im Sozialwesen? 

Die Mehrheit der Profis in Sozialberufen arbeitet im Angestelltenverhältnis. Aber vor allem in den Bereichen Supervision, Organisationsberatung und Coaching finden sich auch selbstständig Erwerbende. Spannend kann es auch sein, eine Nische zu finden, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln oder im Bereich der Digitalisierung aktiv zu werden.

Natürlich gilt wie in praktisch allen Berufen: Selbstständigkeit hat ihre Vor- und Nachteile; gerade am Anfang muss man Zeit und Geld investieren. Sie ist zwar nur in Ausnahmefällen der schnelle Weg zum grossen Reichtum, aber oft ein Weg zu mehr Befriedigung im Beruf.