Rahel Stocker 

«Man muss mehr machen als andere, wenn man etwas erreichen will.»

Rahel Stocker (27) bezeichnet sich als «Macherin» und führt in Luzern ihre eigene Kita. Daneben absolviert sie am bke Bildungszentrum Kinderbetreuung das letzte Modul des Lehrgangs «Insitutionsleiter/in im sozialen und sozialmedizinischen Bereich» (HFP).

Nach der Sekundarschule, die sie mit 15 abschloss, war es für Rahel Stocker klar: Sie wollte Kleinkinderbetreuerin werden (den Beruf der FaBe gab es damals noch nicht). Voraussetzung für die Ausbildung war allerdings das zurückgelegte 18. Lebensjahr. Die Zeit bis dahin wollte sie aber nicht mit Praktika und Aushilfsjobs verbringen, sondern etwas Handfestes lernen. Die Lehre ihrer Wahl war Coiffeuse. Schon während der Ausbildung war sie sicher: In diesem Beruf würde sie garantiert nicht alt. Doch sie stand die drei harten Jahre durch, und sie ist überzeugt, dass das für ihre Persönlichkeitsentwicklung richtig war.
Es folgten ein Praktikum in der Kinderbetreuung, die Ausbildung zur Spielgruppenleiterin und die verkürzte Lehre als Kleinkinderbetreuerin, die sie in der Kita Kiriku (Luzern) absolvierte.

Die frühe Chance zur Firmengründun

Schon während ihrer Ausbildung beklagte sich Rahel Stocker beim Vorstand des Trägervereins über die mangelnde Professionalität der Kita-Leitung. In der Folge wurde ihr Kompetenzbereich vergrössert, und als – noch vor ihrem Lehrabschluss – die Leitung kündigte und der Verein die Institution verkaufen wollte, griff sie zu. 
2012 übernahm sie die Kita zusammen mit zwei Kolleginnen, bildete einen neuen Trägerverein und wandelte die Kiriku einige Jahre später um in eine AG, um mehr Flexibilität für die weitere Entwicklung zu gewinnen.
Die Werte, die sie vermitteln will, sind aber immer noch dieselben wie in den Anfängen ihrer «Firma»: Alle Kinder sollen ihre Ressourcen entwickeln können, mit der Natur in Kontakt kommen, individuell gefördert werden und im altersgemässen Rahmen lernen, Verantwortung für sich selber zu übernehmen. 
Das schlägt sich auch im Aktivitätenprogramm der Kita nieder: Gemeinsam mit den Kindern werden an «Tüfteltagen» Spielsachen geflickt; die Kleinen helfen mit beim Putzen oder auch im Wald beim Feuermachen. Erlebnisse wie diese zu vermitteln ist Rahel Stocker wichtig – nicht zuletzt deshalb, weil sie als «Landei» schon früh selber viele ähnliche, für sie prägende Erfahrungen machen durfte

Stabilität im Team als Erfolgsfaktor

«Mit dem Team steht und fällt die Kita.» Rahel Stocker pflegt in ihrem Team eine familiäre Atmosphäre. Gleichzeitig gibt es aber auch klare, verpflichtende Regeln über den Umgang miteinander. Die Basis ist ein freundschaftliches Klima des Vertrauens, in dem es keine Tabuthemen gibt und alle über ihre Vorstellungen sprechen und ihre Wünsche verwirklichen können. Deshalb gehört beispielsweise eine jährliche gemeinsame Auslandreise zum festen Programm. 
Eine Folge dieser gelebten Kultur ist, dass viele ehemalige Lernende oder Angestellte sich an Rahel Stocker wenden, wenn sie mit einem Problem nicht zurande kommen. «Unsere Kita soll auch zum Beratungsort für andere werden: Ich gebe gerne meine Erfahrungen im persönlichen und beruflichen Bereich weiter, und auch andere ähnlich gelagerte Institutionen sollen davon profitieren können.»
Auch die Eltern profitieren vom Fachwissen in der Kita: «Elternberatung ist uns wichtig, und wir möchten ihnen unsere Erfahrungen mitgeben. Sie erleben vieles zum ersten Mal; aber wir sind Experten für jedes Kind, erkennen, wann es welche Inputs braucht, und wissen auch, wie viel man den Kleinen zutrauen darf. Entscheidend ist, dass wir auch zu den Eltern eine intensive Beziehung aufbauen und auf einer verständlichen Ebene mit ihnen kommunizieren.»

Weiterkommen mit Weiterbildung

Rahel Stocker absolviert im Moment das letzte Modul der Weiterbildung zur Institutionsleiterin an der BKE in Zürich, die sie mit der Höheren Fachprüfung abschliessen will. Sie profitiert dabei vor allem vom Führungs-Know-how, das dort vermittelt wird. «In einer Kita mit 14 Angestellten ist Führung ein zentrales Thema; bei der BKE erarbeite ich mir die Instrumente und Methoden für das wirksame und bewusste Steuern, Fördern und Fordern der Mitarbeitenden.»
Das Thema «Lebenslanges Lernen» ist ihr nicht nur für sich selber ein grosses Anliegen: «Wer aufhört zu lernen, gibt auch seine eigene Entwicklung auf. Ich bin mir bewusst, dass ich als Kita-Leiterin hier eine Vorbildfunktion habe: Ich ermuntere meine Mitarbeitenden zu Fort- und Weiterbildungen. Natürlich muss ich mit gutem Beispiel vorangehen. Deshalb bilde auch ich mich regelmässig weiter, und ich profitiere auch davon, dass ich so immer am Ball bleibe und neue Erkenntnisse in meine tägliche Arbeit einfliessen lassen kann.»

«Auch im Sozialbereich braucht es Macherinnen und Macher, die erfolgreiche Unternehmen aufbauen und führen können.»